Verbesserung der Bedingungen für Kinder in Piso Firme, Bolivien

Am Fluß in Piso firme

Pädagogische Arbeit mit der jungen Generation, in einer immer noch einzigartig reizvollen, natürlichen Umwelt. Ein kreativer und nachhaltiger, anstelle eines destruktiven Umgangs mit der Natur soll erfahrbar gemacht werden. Um das noch zu steigern, soll eine bisher nicht geübte Reflexion und Einstellung gegenüber dem eigenen Leben angeregt werden.

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„Ginge es in diesem Projekt allein darum, Bäume zu pflanzen, Gärten anzulegen, Brot mit den Kindern zu backen (es besteht dort daran ein Mangel) und einen Unterricht mit bisher unbeachteten Impulse anzubieten, dann wäre das eine Fortsetzung unseres seit dem Jahre 1998 geleisteten Beitrag. Um die geplante langfristige Perspektive zu illustrieren, müsste eine den Rahmen dieses Konzepts sprengende, ausführlichere Darstellung der Armut des Ortes, der Perspektivlosigkeit und Gleichgültigkeit seiner Bewohner und über die Orientierungslosigkeit und Vernachlässigung der heranwachsenden Generation erfolgen. Dazu eine der immer noch bestehenden Ausbeutung der Natur, (deren Verhinderung unser Anliegen ist und  die auch die menschliche Existenz fragwürdig werden  lässt)  statt regenerativer Nutzung der natürlichen Ressourcen....“

Vorstehender Text von Klaus Braunert, 08. November 2016.

Piso Firme ist von der Großstadt Santa Cruz 750 km entfernt, 320 km von Santa Rosa de la Roca. Bis zu diesem Ort ist die organisierte verkehrstechnische Anbindung gewährleistet. Von dort zweigt der Weg nach Piso Firme ab, der besonders nach Regenfällen oft schwer passierbar ist. Man benötigt dann einen Geländewagen.
Trotz der Schwierigkeiten, ein entfernt liegendes Projekt mit bescheidenen Mitteln weiter zu führen, ist das bisher Dank des besonderen Engagements der Bolivianerin Maribel Añez und ihres ständig weiter gewachsenen Interesses für diesen Ort gelungen. Sie ist jedes Jahr dort ein bis zweimal hingefahren. In dieser Zeit hat sie dort gute Verbindungen zu den Bewohnern aufgebaut und setzt sich nachdrücklich für die Erhaltung des Standortes ein, nachdem wir in den letzten Jahren wegen fehlender Mittel eine Aufgabe erwogen hatten.

Nachfolgend stellt sie Ihnen das Vorhaben vor:

Piso Firme

Piso Firme ist ein Ort an der Grenze zu Brasilien, weit entfernt von größeren Orten mit besserer Infrastruktur. Die Bewohner sind keine indigene Gemeinschaft, sondern die für das Tiefland von Bolivien typischen Mestizen, Resten indigener Bevölkerung und Zuwanderern aus dem Inneren des Landes.  Verbindende Traditionen beschränken sich weitgehend auf die Ausübung religiöser Gemeinsamkeiten. Und außer, dass sich die Vertreter politischer Parteien um Einfluss bemühen und Versammlungen abgehalten werden, gibt es öffentliches Leben als zufälliges Zusammentreffen. Wenn Geld da ist, wird dabei „gefeiert“, also in der Regel Alkohol konsumiert. Die zahlreichen Kinder wachsen ohne Vermittlung von besonderen Werten oder Fähigkeiten auf. Sie sind weitgehend sich selbst überlassen und lernen das Wenige, das ihnen die Grundschule vermittelt und machen Erfahrungen in der Auseinandersetzung mit  ihrer Umwelt. Fähigkeiten, die ihnen ein besseres Verständnis ihrer Gesellschaft, der sie umgebenden natürlichen Lebensgrundlagen und zur erfolgreichen Teilhabe an der Gesellschaft erlernen sie zufällig oder gar nicht.

Ausgehend von unserem Ansatz, dass die Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen, mithin Naturschutz, mit noch beeinflussbaren und formbaren Menschen die besten Chancen hat, wenn sie auch ihnen selbst hilft, wollen wir das nachfolgend näher skizzierte Vorhaben von Maribel Añez realisieren:

Das Anliegen auf Projektförderung besteht aus zwei komplementären, aber in sich getrennten Teilen.

Teil 1:

Aktivitäten und Ziele

Maribel Añez erklärt die verschiedenen Vorhaben:

„1) Ich werde mit denjenigen Kindern (Alter: etwa sechs bis 14 Jahre) die Interesse zeigen und sich motivieren lassen zunächst Zusammenkünfte organisieren, bei denen mit den oft schlecht ernährten Kindern Essen zubereitet wird. Dabei werden die Themen erörtert, die unsere Aktivitäten dort begründen.

2) Gesammelte und gekaufte Samen inzwischen seltener und wertvoller Bäume werden auf dem Gelände von SIMBIOSIS –

 M. u. N. e. V. als Baumschule gemeinsam ausgesät und gepflanzt.. Alles beginnt hier, damit wir Wachsen und Gedeihen beobachten können.

Daraus entstehende (oder evtl. auch gekaufte Setzlinge) werden an dafür  geeigneten und frei gemachten Stellen im Wald gesetzt. Jedes Kind wird mit der Aufgabe der Pflege eines Abschnitts betraut, denn trotz häufigen Regens und tropischer Temperaturen sind die Setzlinge vielen Gefahren, z.B. durch Schädlinge oder Überwucherung ausgesetzt. Die Kinder lernen dabei etwas über die Biologie des Waldes, der verschiedenen Bäume und ihr Zusammenwirken in einem Biotop. Gleichzeitig wird eine Renaturierung der bisher ausgebeuteten Flächen angestrebt.

Ich möchte von jeder Art (z.B. Mara, Cedro, Tajibo) etwa 500 Samen zu säen und die Bäumchen umpflanzen, wenn sie eine Höhe von 30 cm erreicht haben. Ich habe das schon oft gemacht und kenne mich also damit aus, werde mich aber dabei auch von einem mir bekannten Forstingenieur beraten lassen

3)    Auf dem Gelände von SIMBIOSIS legen wir einen Garten an. Dort sollen Gemüse gezogen werden, die in dieser warmen Gegend gedeihen: Tomaten, Paprika, Rettiche, die wir mit Ananas mischen. Großwüchsige Kulturen, die viel Platz benötigen wie Bananen, Kochbananen, Yucca und Melonen pflanzen wir auf freien Stellen im Wald. (Anmerkung K .Braunert : Natürlich werden diese Pflanzungen in biologisch- organischer Anbauweise (Kompost, Bodendecker, Fruchtfolge) ausgeführt. Dadurch dass Kinder diese Form der Kultivierung beigebracht wird, lernen sie eine ökologisch sinnvollere Anbauweise als die sonst in Bolivien verbreitete, unter Einsatz von Kunstdünger und Pflanzenschutz- giften. Wichtig ist dieses Vorhaben auch deshalb, weil der Anbau sich dort nur auf Bananen, Reis und Papayas beschränkt, obwohl das tropische Klima ideal für einen ganzjährigen Anbau vieler Sorten ist.)

4)    Möglichst viele Kinder sollen einen gemeinsam angelegten Garten auf dem Grundstück der Cabaña ihrer Eltern bekommen, um dessen Erhalt ich mich kümmern werde.

Offen gesagt, auch wenn sie Begeisterung zeigen, kann man m. E. die Kinder nicht zu sehr verpflichten. Meine Vorstellung ist, dass sie wenigstens einen Tag in der Woche mitarbeiten. Nicht Erledigtes werde ich übernehmen. Für die Zeit, die ich eventuell nicht vor Ort bin, werde ich einen Mann oder eine Frau finden, der oder die sich für etwas Geld und/ oder Lebensmittel, der Gärten und Pflanzungen annimmt.

5)    Ein Vorschlag für etwas, das ich schon immer in Piso Firme machen wollte: Ich bemerkte, dass die Kinder in Piso Firme hungern. Sie versuchen, den ganzen Tag zu fischen und tauschen dann ihre kleinen Fische gegen Brot in den zwei Esslokalen des Ortes gegen Brot. Aber man gibt ihnen nur sehr wenig, wie ich beobachtete und es stört mich sehr, dass sie derart ausgenutzt werden. Mir kam daher die Idee, einen der dort üblichen Lehmbackofen bauen zu lassen und Brot zu backen (auch damit kenne ich mich aus). Alle Kinder, die mir beim Pflanzen und Pflegen der Bäume helfen, sollen dafür ihre Brote erhalten. Die Idee mit dem Backofen und Backen ist leicht zu bewerkstelligen. Man kann das ein -  oder zweimal die Woche machen.

6)    In einem Zeitraum von zwei Jahren würden die Gärten einen Ertrag abwerfen und einige der gepflanzten Mara- und Cedro- Bäume  werden denen, die sie gepflanzt haben, in späteren Jahren von Nutzen sein.  Einen genauen Plan der Größe des gemeinsamen Gartens und der einzelnen Anpflanzungen kann ich noch nicht vorlegen. Das hole ich nach, wenn ich den Umfang der beantragten und  eventuell genehmigten Förderung erfahren habe.

7)    Wie ich berichtet habe, wachsen die Kinder hier auf, ohne dass ihre Eltern sich viel um sie kümmern. Die Mädchen bekommen deshalb gewöhnlich mit dreizehn oder vierzehn Jahren ihr erstes Kind. Es wird weder über Verhütung noch sonstige Konsequenzen unerwünschter Schwangerschaften gesprochen.
Um Heranwachsenden dieses und andere für sie wichtige Themen zu erörtern, soll die dafür durch Berufserfahrung geeignete Sozialarbeiterin  Sandy  Añez- Montero zuständig sein. Sie hat ihr Konzept  (s. Teil 2)  gesondert verfasst.

8)    Indem ich den Vorschlag von Herrn Robin Schöck aufgreife, wird  eine der Lehrerinnen der Grundschule eine Fortbildung zu den hier erörterten Themen erhalten, um ihre Kenntnisse dann an die Kinder weiter zu geben. (Anmerkung von K.B.: Lehrer und Lehrerinnen der Elementarschulen auf dem Lande können normalerweise nur das Nötigste an Schreiben, Lesen und Grundrechnen.)

9) Es wäre ein großer Vorteil, wenn die gemeinsamen Zusammenkünfte (also Unterricht, gemeinsame Essenszubereitung, Gespräche) in einer noch zu restaurierenden Cabaña auf dem SIMBIOSIS- Gelände statt finden könnten.

Falls das Projekt in der vorliegenden Form genehmigt wird, bin ich bereit,  andere persönliche Optionen fallen zu lassen und drei Fahrten mit Aufenthalten von bis zu zwei Monaten in Piso zu unternehmen. Die ermutigenden Erfahrungen der beiden letzten Aufenthalte dort haben mich in dieser Absicht bestärkt. …

Vorstehender Text verfasst von Maribel Añez und K. Braunert am 17.Oktober 2017.

 

Teil 2: Sozialarbeit, Sandy Añez – Montero

(ins Deutsche übertragen von K. Braunert)

Gegenstand: Projekt zur Bildung von angemessenem Sozialverhalten, Vermittlung ethischer Werte mit Schwerpunkt auf Umwelt und Natur, Erziehung zu verantwortlichem Verhalten in Bezug auf menschliche Reproduktion und erfolgversprechende Förderung von vorhandenen Kindern in Piso Firme.

Der folgende Vorschlag  umfasst eine abgeschlossene Etappe im Laufe von 3 ½  Monaten.

 

Zur Methode

1.   Phase: Koordinierung (2 Wochen)

-      Versammlungen zur Planung mit den Vertretern der Zivilgesellschaft

-      Versammlungen zur internen Koordination mit den beautragten Personen:
Sra. Maribel Añez, Sandy Diana Montero,

-       mit einer oder zwei Lehrerinnen der Ortsgemeinschaft (die mit unseren Zielen vertraut gemacht und von uns weitergebildet wird). Diese Zusammenarbeit findet in freundschaftlichem Umgang mit Maribel schon seit vielen Jahren statt

-      Festlegung der Örtlichkeit, wo die Schulung der Eltern mit dem Thema der Bedeutung stattfinden soll, die eine Familienplanung hat, die Beachtung einer adäquaten Kindererziehung, der Planung der Gärten und Baumpflanzungen. Zur Motivation geben wir dieser Kampagne den Titel: „Wir lieben unseren Ort.“ Verantwortlich dafür ist Maribel Añez.

-      Festlegung der Örtlichkeit, wo die Schulung der Kinder und Heranwachsenden stattfinden soll

-      Zeitplan für die Durchführung

 

2.   Phase: Durchführung (2 Monate)

-      Schulungen entsprechend dem vorher festgelegten Zeitplan

-      Themen die in diesen Schulungen behandelt werden:

Familienplanung, unter Einbeziehung moderner Methoden zur Verhinderung unerwünschter Schwangerschaften.

Prävention zur Verhinderung sexueller Gewalt (im Lande immer noch sehr verbreitet - Anm: K. Braunert)) 

Schonender und nachhaltiger Umgang mit unseren natürlichen Ressourcen.

Anwendung von Werkzeugen der Verfolgung und Prüfung der Resultate der Schulungen vorher und nachher.

 

3.   Phase: Resultate (1 Monat)

-      um den Fortgang der Schulungen zu überprüfen werden wir Untersuchungen durchführen, die wir Pre- und Post- Tests nennen.

-      Soweit es die Gärten betrifft, sollten die Kinder Gemüse ernten können, die sie in der 2. Phase gesät haben. Darum kümmert sich wiederum Maribel Añez, die auch dafür zuständig sein wird, Lebensmittel an Personen oder Kinder auszugeben, die sich mit Erfolg an den Maßnahmen beteiligt haben.

 

Zur Vorgeschichte:

Der Verein SIMBIOSIS – M. u. N.  e.V.  ist seit 1989 mit dem Ziel des Schutzes der dort bedrohten Natur in Bolivien tätig.

Einer der Schwerpunkte dieser Arbeit liegt in und in der Umgebung des Ortes Piso Firme am Rio Paraguá (Lage: 13 Grad, 39 Min. südlicher Breite und 61 Grad 50 Min. westlicher Länge.) Um die Bewohner des Ortes zur Kooperation für den Naturschutz zu gewinnen, haben wir dort eine aufwendige, weiterhin funktionierende Trinkwasserversorgung erstellt und im Laufe der Zeit erhebliche Zuwendungen für das Dorf gegeben.  Als materielle Anerkennung erhielten wir ein 1 Hektar großes Grundstück am Flussufer, das wir urbar gemacht und mit unterschiedlichen Baumarten gestaltet haben. Ebenso wurden dort in Erwartung von Besuchern Unterkünfte gebaut. Die Gesamtfinanzierung wurde im Laufe der Jahre zu etwa 50% von Robin Schöck und Frau Simone Schöck getragen. Durch eine Sonderspende von Robin Schöck konnten wir 2004  dort eine Urwaldfläche von ca. 150 Hektar kaufen und damit vor der möglichen Zerstörung bewahren.

Piso Firme ist an einem Fluss gelegen landschaftlich reizvoll. In der näheren und weiten Umgebung finden wir unterschiedlich Vegetationsformen und eine immer noch reiche und erhaltenswerte Fauna.

Der Lehmbackofen für das Brot

Brotbacken: Brotteig wird mit Helferinnen zubereitet

Die tüchtigsten Fünf bauen inzwischen auch auf dem Grundstück der Eltern Erdnüsse und Ananas an

Maribel mit Schulkindern und einer Mutter von ihnen

Die Lehrerinnen, mit denen Maribel befreundet ist und die mit ihr kooperieren